Die Kammer – Season II: Views from the Inside

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Tubaklänge, schaurige Geräusche wie aus der Geisterbahn und ein Sänger, dessen Stimme des verrückten Direktors einer Wandermenagerie mit Freak-Show würdig wäre, begleiten ein schaurig schönes, blutrünstiges Video mit Legetrick-Animation um ein kleines Mädchen mit Fleischerbeil, das eindeutig die Handschrift des Großmeisters Ingo Römling trägt. Ein Schelm, wer sich nun an Mackie Messer erinnert fühlt…

Es ist das Video zu Sinister Sister aus den Federn der Kammer, welche sich Marcus Testory und Matthias Ambré errichtet und damit einen metaphorischen Unterschlupf für die Suchenden und Einsamen geschaffen haben, um mit ihrer unkonventionellen, locker-leicht beschwingten, akustischen Musik und morbidem Charme die schwarze Szene aufmischen.


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Der Titel Sinister Sister findet sich auf dem im Frühjahr 2014 erschienenen, zweiten Silberling der Kammer, Season II: Views from the Inside. Ein willkommener Anlass, um einen „View into the Inside“ zu nehmen und das Album einmal näher zu betrachten.

War bereits das Erstlingswerk der Kammer, The Seeming and the Real, ein rundum gelungenes Album, so setzt Season II: Views from the Inside die Messlatte noch höher. Die musikalische Entwicklung der Kammer verhält sich wie ein guter Wein, der seine Zeit zum Reifen benötigt, um dem Gaumen des Verkosters Höhenflüge zu bescheren. Der neue Silberling wirkt noch ein Stück professioneller produziert und abgemischt, die Titel scheinen sich noch harmonischer zu einem eindrucksvollen Gesamtbild zusammen zu fügen.

Der geneigte Hörer wird in Be Careful mit einer Warnung vor begierigem Denken empfangen, denn Wünsche könnten wahr werden und sich zum Negativen wandeln. Die Retourkutsche scheint unmittelbar mit Endangered Memories zu folgen, woraufhin man sich auf seine persönliche Line of Last Resistance besinnen müsse… Durch derartige Verknüpfungen zwischen den Titeln, die persönlichen Spielraum erlauben, wirkt Season II: Views from the Inside wie aus einem Guss.


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Für jede Situation findet Marcus Testory die passende Stimmlage von dramatisch bis sanft. So eben auch die Stimmlage des düsteren, verrückten Zirkusdirektors eines Carnival Macabre, welche neben dem genannten Sinister Sister auch im dreiteiligen Stück Sophie‘s Circus hervorragend zur Geltung kommt und diese zu einmaligen Erlebnissen macht. Während Sinister Sister und Slipping around the Corner vor allem gute Laune bereiten, werden auch Freunde von Balladen mit Mirror und The Invitation bedient. Letzteres erinnert von Klang und Stimme gar an Johnny Cashs berühmtes Cover von NINs Hurt.

Wer sich von der schaurig schönen Moritat Sinister Sister und dem hervorragend gelungenen Video hat mitreißen lassen, sollte sich auch ein paar Views from the Inside genehmigen. Idealerweise natürlich – wie sollte es auch sein – in gediegener Atmosphäre bei einem guten Glas reifen Rotweins. Wer Die Kammer unmittelbar und ohne Zwischenhändler unterstützen möchte, dem sei insbesondere der kammereigene, akustische Feinkostladen ans Herz gelegt. Vielleicht landet ja auch noch ein Ticket für eines der kommenden Konzerte im Warenkorb:

Freitag, 21.11.2014 Aschaffenburg, Colos-Saal

Samstag, 22.11.2014 München, Strom

Freitag, 28.11.2014 Leipzig, Moritzbastei

Samstag, 29.11.2014 Hamburg, Indra

Freitag, 12.12.2014 Wuppertal, Live Club Barmen

 

Tracklist:

  1. Be Careful
  2. Endangered Memories
  3. The Line of Last Resistance
  4. Lest We Forget
  5. Sophie’s Circus (Part I »The Arrival«)
  6. Sophie’s Circus (Part II »The Play«)
  7. Sophie’s Circus (Part III »The Spirit Lingers On«)
  8. Praying Mantis
  9. Slipping around the Corner
  10. Mirror
  11. Sinister Sister
  12. The Invitation
  13. Views from the Inside: A Midsummer Night’s Dream
  14. Views from the Inside: New Day Rising

 

Autor: Last-Apocalypse